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„Die Sprache der Populisten entlarven“ – „Jenseits von Rechts“ : Veranstaltung am Internationalen Frauentag. Sprachwissenschaftler Thomas Niehr führt in das Thema ein.
8. März 2017,19:30-22:00
„Jenseits von Rechts“ : Veranstaltung am Internationalen Frauentag. Sprachwissenschaftler Thomas Niehr führt in das Thema ein.
Städteregion. Das könnte ein spannender Abend werden. Am Internationalen Frauentag, Mittwoch, 8. März, laden die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), Diözesanverband Aachen, und das Frauennetzwerk der Städteregion zu einer Diskussionsveranstaltung in die Citykirche ein. Der Abend steht unter dem Titel „Jenseits von Rechts: Die Sprache der Populisten entlarven“.
Im Wahljahr 2017 wollen die Veranstalterinnen erkunden, was der Sprachgebrauch der Parteien über deren Frauen- und Familienbild verrät. Und ob die Rechtspopulisten bereits einen allgemeinen Rechtsruck ausgelöst haben.
Prof. Thomas Niehr vom Institut für Sprach- und Kommunikationswissenschaft der RWTH, kennt sich aus damit, wie Populisten reden. Die Sprache der Politik gehört zu seinen Forschungsschwerpunkten. Zum Diskussionsabend am Frauentag wird er einen einleitenden Impuls geben.
„Grenzen des Sagbaren“
Der Sprachforscher Niehr schaut sich sehr genau an, wie der öffentliche Diskurs derzeit geführt wird, „wie man versucht, die Grenzen des Sagbaren zu verschieben“. Wenn AfD-Chefin Frauke Petry erkläre, „völkisch“ komme von Volk und sei ein ganz normales Adjektiv, dann werde hier versucht, einen Begriff aus der deutschen Geschichte auszublenden, sagt Niehr. „Völkisch“ war ein zentraler Begriff der NS-Ideologie. „Wer halbwegs denken kann, dem fällt bei ‚völkisch‘ doch ‚Völkischer Beobachter‘ ein.“ Der „Völkische Beobachter“ war das Propagandaorgan der Nationalsozialisten.
In bestimmten Kreisen, sagt Niehr, würden politisch Andersdenkende gerne als „versifft“ bezeichnet. Versifft ist bedeutungsgeschichtlich mit der Geschlechtskrankheit Syphilis verwandt. „Und da sind wir fast bei Nazi-Vokabular“, sagt Niehr. „Die Nationalsozialisten haben ihre Gegner auch als Krankheitserreger bezeichnet.“
Populismus, so steht es im Duden, ist eine „von Opportunismus geprägte, volksnahe, oft demagogische Politik, die das Ziel hat, durch Dramatisierung der politischen Lage die Gunst der Massen (im Hinblick auf Wahlen) zu gewinnen“.
Populismus, findet Niehr, sei gar nicht so leicht zu definieren. „Aber eines haben Populisten immer drauf“, sie bauen Gegensätze auf: auf der einen Seite das Volk, auf der anderen die korrupte Elite; hier das Volk, dort die Fremden, Anderen, Zugezogenen, Migranten. Und die Populisten, sagt Niehr, zählen sich immer zum Volk, auch ein Superreicher wie Donald Trump.
Hat die Sprache der Populisten also schon Grenzen verschoben? „Ja“, sagt der Sprachforscher. „In der Politik ist heute Gemeingut, was vor fünf bis zehn Jahren nicht sagbar gewesen wäre.“ Selbst gefährliche Staaten würden als „sichere Herkunftsstaaten“ definiert.
Und wie geht man damit um? „Genau hinhören, die Stimme erheben und den Populisten nicht die Bühne überlassen“, sagt Niehr. Letztlich gehe es um die Frage: „Wie weit wollen wir die Grenze des Sagbaren eigentlich ziehen? Was lassen wir uns gefallen?“
Bei den Wahlen zum Landtag und zum Bundestag, sagen die Veranstalterinnen von kfd und Frauennetzwerk, gehe es um wichtige Fragen: In welcher Gesellschaft wollen wir morgen leben? Wie steht es um die Gleichstellung von Mann und Frau, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Unterstützung von Alleinerziehenden? „Der Aufwärtstrend der rechtspopulistischen Parteien“, sagt Sibylle Keupen, Vorsitzende des Frauennetzwerks, „ist mit Blick auf Frauenrechte mehr als bedenklich“. Sie sieht die Gefahr, dass „mühevoll erkämpfte emanzipatorische Rechte“ verloren gehen.
Abgeordnete auf dem Podium
Nach dem Kurzvortrag des RWTH-Wissenschaftlers diskutieren die Landtagsabgeordneten Daniela Jansen (SPD), Karin Schmitt-Promny (Grüne) und Ingola Schmitz (FDP) sowie die Aachener CDU-Ratsfrau Margrethe Schmeer. Fragen des Publikums sollen im Mittelpunkt stehen. Die Veranstaltung in der Citykirche, Großkölnstraße, beginnt am Mittwoch, 8. März, um 19.30 Uhr. „Wir wollen ein Zeichen setzen an diesem besonderen Tag“, sagt Keupen. „Jeder und jede ist willkommen.“ Der Eintritt ist frei.
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